Anne Frank qu(e)er denken? – Zur Rezeption ihrer queeren Tagebuchreflexionen zwischen konservativem Kulturkampf und antiheteronormativer Aneignung

Anne Frank qu(e)er denken? – Zur Rezeption ihrer queeren Tagebuchreflexionen zwischen konservativem Kulturkampf und antiheteronormativer Aneignung

Vortrag mit Diskussion am Samstag, dem 5. September 2026, um 16 Uhr im

queerKAstle (Liebigstraße 10–12, 76135 Karlsruhe)

Am 6. Januar 1944 vertraute die damals 14-jährige Anne Frank ihrem Tagebuch

an, wie sie vor der Zeit in ihrem Amsterdamer Versteck, also mindestens

eineinhalb Jahre zuvor, ihrer Freundin Jacqueline vergeblich das gegenseitige

Befühlen ihrer Brüste vorgeschlagen hatte und wie sie immer „in Ekstase“

gerate, wenn sie „eine nackte Frauengestalt sehe“. Diese queere Passage wurde

in der niederländischen Erstausgabe des Tagebuches von 1947 aus Rücksicht auf

„puritanische oder katholische Empfindlichkeiten“ weggelassen und erst in der

englischen Ausgabe von 1952 veröffentlicht. Ihretwegen lassen seit ein paar

Jahren rechte Aktivist*innen in den USA eine Comicadaption des Tagebuches,

wegen deren Verwendung im Unterricht sogar eine Lehrerin entlassen wurde, aus

Schulbibliotheken entfernen.

Der Vortrag verfolgt die wechselvolle Rezeptionsgeschichte und stellt die

Frage, wie wir als Multiplikator*innen das Wissen um Anne Franks Queerness,

welche die Historikerin und Pionierin queerer Holocaustgeschichte Anna Hájková

als „zentral“ für das Verständnis Anne Franks erachtet, in die Gesellschaft

tragen und so Anne Frank als mögliches Rollenvorbild für queere Jugendliche

bekannt machen können.

Der Referent Thomas Tews ist Kulturwissenschaftler und freiberuflicher

Bildungsakteur sowie Mitglied der UAG Queere Erinnerungsarbeit des AK LSBTIQ+

der Stadt Stuttgart und Fördermitglied im queeren Jugendnetzwerk Lambda e.V.

https://queerkastle.de/veranstaltung/anne-frank/

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