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SUMMARY:Vortrag: Der „Radikalenerlass“ von 1972 in Baden-Württemberg
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CATEGORIES:Vortrag\,Antifaschismus
DESCRIPTION:Vortrag von Mirjam Schnorr\, M.A.\nWissenschaftliche
  Mitarbeiterin am Fritz-Bauer-Institut\, Frankfurt a.M.\n\n2026 jährt
  sich zum 35. Mal der Beschluss der baden-württembergischen
  Landesregierung von 1991 zur Abschaffung der Regelanfrage beim
  Verfassungsschutz auf Grundlage des „Radikalenerlasses“. Dieser war
  im Januar 1972 unter Bundeskanzler Willy Brandt ausgearbeitet worden\, um
  potentiell Rechts- und Linksradikale\, sog. Verfassungsfeinde\, aus dem
  öffentlichen Dienst fernzuhalten. Im Südwesten hatte seit 1973 eine
  eigene Variante des „Radikalenerlasses“ bestanden\, der „Beschluß
  der Landesregierung über die Pflicht zur Verfassungstreue im
  öffentlichen Dienst“ – inoffiziell auch „Schiess-Erlass“
  genannt\, nach dem Innenminister Karl Schiess (Amtszeit
  1972-1978).\n\nMit den durch den „Schiess-Erlass“ eingeführten
  Regelungen zur Aufnahme und Beschäftigung im öffentlichen Dienst galt
  Baden-Württemberg als CDU-geführte „schwarze
  Berufsverbots-Provinz“\, weil hier besonders hartnäckig gegen
  „Radikale“ vorgegangen wurde. Insgesamt betrieb die Landesregierung
  allerdings unter Einbezug des Verfassungsschutzes nur einen
  unverhältnismäßig hohen bürokratischen Aufwand\, der beinahe
  ausschließlich den beruflichen Werdegang vor allem junger Linker
  beeinträchtigte. Die individuellen Folgen für die Betroffenen des
  „Radikalen“- und „Schiess-Erlasses“ waren zum Teil
  schwerwiegend\, und im gesamtgesellschaftlichen Rahmen überwog eher der
  Eindruck von „Duckmäusertum“ und Verunsicherung als von effektivem
  Schutz der Demokratie mittels der Bekämpfung von Extremismus.\n\nDer
  Vortrag skizziert die Geschichte des „Radikalenerlasses“ im
  Südwesten und fragt dabei nach seinen regionalen Besonderheiten. Ein
  Augenmerk liegt dezidiert auf der Veranschaulichung von Fallbeispielen
  aus dem badischen Raum\, um die Perspektive der Betroffenen mit
  aufzunehmen.\n\nMirjam Schnorr\, M.A.\, geboren 1989\, Historikerin\, war
  von 2018 bis 2021 Mitarbeiterin im Heidelberger Forschungsprojekt
  „Verfassungsfeinde im Land? Baden-Württemberg\, ’68 und der
  ‚Radikalenerlass‘ (1968-2018)“. Aktuell ist sie am Fritz Bauer
  Institut in Frankfurt am Main beschäftigt. In ihrer Dissertation hat sie
  Alltags- und Verfolgungserfahrungen von Prostituierten und Zuhältern im
  NS-Staat untersucht.
LOCATION:Kriegsstr. 100 (2. OG)\, 76131 Karlsruhe\, Seminarraum ELSASS
ORGANIZER:mailto:FernUniversität in Hagen – Campus Karlsruhe
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