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SUMMARY:Normal – Eine Besichtigung des Wahns
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CATEGORIES:Konzert\,Kultur
DESCRIPTION:𝗘𝗶𝗻 𝗔𝗯𝗲𝗻𝗱 𝗴𝗲𝗴𝗲𝗻
  𝗜𝗿𝗿𝗮𝘁𝗶𝗼𝗻𝗮𝗹𝗶𝘀𝗺𝘂𝘀 𝘂𝗻𝗱
  𝗶𝗻𝘀𝘁𝗿𝘂𝗺𝗲𝗻𝘁𝗲𝗹𝗹𝗲
  𝗩𝗲𝗿𝗻𝘂𝗻𝗳𝘁\, 𝘃𝗼𝗻 𝘂𝗻𝗱 𝗺𝗶𝘁
  𝗧𝗵𝗼𝗺𝗮𝘀 𝗘𝗯𝗲𝗿𝗺𝗮𝗻𝗻 &
  𝗧𝗵𝗼𝗿𝘀𝘁𝗲𝗻 𝗠𝗲𝗻𝘀𝗲 & 𝗙𝗹𝗼
  𝗧𝗵𝗮𝗺𝗲𝗿\n\n\nTickets: \nPandemie\, Klimawandel\,
  Kriege\, die Steuererklärung\, der Verkehrsstau\, die
  verspätete\nBahn\, ein so mickriges Wachstum\, dass sogar die Griechen
  uns auslachen – und dann\nnoch ein Kanzler\, der schon wieder kein
  Machtwort gesprochen hat. Krisen über Krisen\,\nund kein Ende in
  Sicht.\nDas alles machte nichts\, beherzigten nur alle Deutschen die
  Ratschläge der\nmeistverkauften Beratungsliteratur: »Wenn es uns
  gelingen würde\, unser Gehirn so zu\nbeeinflussen\, dass wir mit dem\,
  was gerade ist – was auch immer es ist – zufrieden wären\,\ndann
  hätten wir keine Probleme mehr.« Nicht alle halten sich an derart
  wohlmeinenden\nRat\, sie drehen anders durch als die ignoranten
  Zwangsglücklichen. Sie fliehen in andere\nEsoterik\, in den
  Verschwörungsglauben oder gleich vollends in den Faschismus. Sie
  sind\ndie Endzeit-Krieger in Tierkostümen\, folgen QAnon bis ins
  Capitol. Sie sind die Aluhut-\nTrägerinnen\, die gegen Chemtrails und
  Impf-Faschismus demonstrieren. Es sind die\nReichsbürger des
  Königreiches Deutschland\, die Kämpfer gegen den »Great Reset«
  und\nden »Großen Austausch«. Auch die Incels sind mit dabei\, mit
  ihrem Hass auf Frauen\, der\nbis zu Morden eskalieren kann und in
  Manifesten gefeiert wird. Politisierter kollektiver\nWahn – immer auf
  der Suche nach weltbeherrschenden Drahtziehern\, die schuldig sind\nund
  meist Soros heißen.\nDie anderen halten am gesunden Menschenverstand
  fest. Sie verteidigen den Experten\ngegen den Scharlatan\, die Vernunft
  gegen den Wahn. Keine Prognose der\n\nWirtschaftsweisen kann so daneben
  liegen\, dass ihr Vertrauen Schaden nimmt. Sie sind\nfleißig\, halten
  Nationen und Eigentumsordnung für so natürlich\, wie dass der Starke
  den\nSchwachen besiegen muss. Sie sind kenntnisreich in allen
  praktischen Fragen des Lebens\,\nkennen Preise und Vorzüge der
  Konsumgüter und lassen sich beim Einkauf nicht übers Ohr\nhauen. Sie
  sind gemäßigt\, also Demokrat:innen\, vergleichen in Talkshows
  die\nKandidat:innen und ihre Argumente. Sie sind der lebende Beweis\,
  wie dumm man vom\nBescheidwissen wird\, aber ihr staatsbürgerliches
  Interesse lehrt sie\, dass neben den\nWerten auch die Kompromisse und
  Sachzwänge eine Rolle spielen\, dass man also\nKollateralschäden\, die
  nicht schön aber unvermeidbar sind\, zu akzeptieren hat:
  Die\nHungernden\, die Obdachlosen\, die Erfrierenden in jedem Winter\,
  die Ertrunkenen im\nMittelmeer. Auch wenn sie Horoskope lesen\, halten
  sie es dennoch für nicht ganz\nbewiesen\, dass die Sterne unser
  Schicksal bestimmen – und sie lesen ja auch nur solche\,\ndie raten zu
  tun\, was die Gesellschaft von den Menschen ohnehin verlangt. Sie sind
  dem\nirrationalen Hokuspokus nicht abgeneigt\, frönen aber nur
  solchem\, der das berufliche\nFunktionieren nicht stört\, sondern
  fördert. Da wirkt der Dalai Lama wie Ausgleichssport.\nDer unpolitische
  Wahn ist akzeptiert.\nIhre Vernunft ist eine instrumentelle\, Vernunft im
  Dienste der Unvernunft. Es geht nur um\ndas Wie\, nicht um das Wofür.
  Alles ist Mittel\, um persönlich durch- und voranzukommen\,\nsich und
  den Laden am Laufen zu halten. Effektivität ersetzt jeden Gedanken an
  eine\nmenschenfreundliche Einrichtung der Welt. Erlaubt ist selbst im
  Denken nur\, was nützlich\nist. Lebenswert ist nur\, wer produktiv ist.
  Normal ist\, wer gesund ist und arbeiten kann. Der\nSportsfreund
  schätzt die »gesunde Härte«\, und selbst der Verstand hat gesund zu
  sein. Die\nZahl jener\, die Kosten verursachen\, – ob als
  Sozialschmarotzer\, chronisch Kranke\, (von der\nGesellschaft)
  Behinderte oder »Irre« –\, muss überschaubar gehalten werden. Wird
  über\nTriage disputiert\, so graut ihnen nicht\, sondern leuchtet ein\,
  dass einem Alten das\nBeatmungsgerät wegzunehmen sei\, wenn ein
  Jüngerer – der sogar Familienvater von drei\nKindern ist – es
  benötigt. Schließlich gehört das Menschenmaterial verbessert. Der
  Weg\nvon Selbstoptimierung zu Eugenik ist kürzer als ein Laufband im
  Fitnessstudio:\ninstrumentell-vernünftig und mörderisch-wahnhaft
  zugleich. Ganz normal.\nDas Lob der normalen Menschen hat gewaltig
  Konjunktur. Ob die AfD oder Sahra\nWagenknecht\, ob in Österreich die
  Freiheitlichen oder hier der sozialdemokratische\nKanzler\, sie alle
  machen Politik womit die Bild-Zeitung Werbung macht: Gefeiert wird
  der\nschlichte\, anspruchs- und selbstlose\, hart arbeitende Mensch\,
  der von Intellektuellen\,\nLifestylern\, Linken und Eliten verraten
  wurde. Im Lob der Normalen\, in den Bekundungen\nvon Respekt und
  Verständnis\, steckt zugleich Verachtung\, sie haben immer den
  zynischen\nZweck\, die gesellschaftlich beschissene Stellung der
  Subalternen und ihre Borniertheiten\nzu verewigen – im Namen
  allergrößter Wertschätzung versteht sich.\nWie der normale Mensch
  steht auch die Normalität hoch im Kurs. Schon lange hat sich
  im\nallgemeinen Bewusstsein durchgesetzt\, dass das Deutschland\, das
  Auschwitz verbrochen\nhat\, deshalb nichts negativ Besonderes sei\,
  sondern Normalität für sich beanspruchen\ndarf\, wenn nicht sogar
  dafür bestimmt sei\, wieder Verantwortung in der Welt zu\nübernehmen.
  Manchen reicht das nicht. Sie fordern »Deutschland\, aber normal«\,
  eine\nNormalität\, die in der guten alten Zeit siedelte und durch
  Bevölkerungsaustausch\,\nGenderwahn\, Frühsexualisierung\, Schmähung
  des bewährten Dieselmotors\, Verzicht auf\nAtomkraft etc. untergegangen
  sei und also wiederbelebt werden müsse. Aber auch die\nNormalität\,
  die in jeder Krise als rasch Wiederherzustellende versprochen wird\, ist
  eine\ntrostlose Hoffnung. Denn so wird sakral\, was deshalb richtig
  ist\, weil es ist – ohne den\nZustand der Welt und das Leid seiner
  Opfer kritisch zu hinterfragen. Die »Stimme der\nVernunft«\, der
  repressive elterliche Rat »Sei doch mal vernünftig!«\, der später in
  den\nErwachsenen einwandert\, lehrt\, dass alles Utopische\, alles
  Ausbrechen wollen\, sich nicht\nmit dem Status Quo abfinden wollen\,
  chancenlos und zum schmerzhaften Scheitern\nverurteilt sei. Es gilt
  schon als verrückt\, wer sich dem Sachzwang nicht unterwerfen
  will\,\nund erst recht\, wer eine andere Gesellschaftsordnung sich nur
  zu denken traut. Vernunft\,\nauch die der historischen Aufklärung\, die
  die Menschheit aus ihrer Unmündigkeit zu\nbefreien versprach\, ist
  selbst Faktor neuer Unfreiheit. Denn sie verunmöglicht die\nErkenntnis:
  Die Welt ist nicht vernünftig eingerichtet\, der Normalzustand\, »dass
  es so\nweitergeht«\, ist die Katastrophe.\n𝗔𝘂𝗳
  𝗕ü𝗵𝗻𝗲 𝘂𝗻𝗱 𝗟𝗲𝗶𝗻𝘄𝗮𝗻𝗱
  𝗯𝗲𝘀𝗶𝗰𝗵𝘁𝗶𝗴𝗲𝗻 𝘄𝗶𝗿 –
  𝗮𝗻𝗴𝗲𝗺𝗲𝘀𝘀𝗲𝗻
  𝗽𝗼𝗹𝗲𝗺𝗶𝘀𝗰𝗵\,
  𝘀𝗮𝘁𝗶𝗿𝗶𝘀𝗰𝗵
  𝘄𝗶𝗲\n𝗮𝗻𝗮𝗹𝘆𝘁𝗶𝘀𝗰𝗵\,
  𝗳𝗿𝗮𝗴𝗲𝗻𝗱 𝘂𝗻𝗱
  𝗸𝗿𝗶𝘁𝗶𝘀𝗶𝗲𝗿𝗲𝗻𝗱 – 𝗱𝗲𝗻
  𝗴𝗮𝗻𝘇 𝗻𝗼𝗿𝗺𝗮𝗹𝗲𝗻 𝗪𝗮𝗵𝗻
  𝘂𝗻𝗱 𝗱𝗲𝗻 𝗪𝗮𝗵𝗻
  𝗱𝗲𝗿\n𝗡𝗼𝗿𝗺𝗮𝗹𝗶𝘁ä𝘁\, 𝗱𝗮𝘀
  𝗣𝗮𝘁𝗵𝗼𝗴𝗲𝗻𝗲 𝗶𝗺
  𝗡𝗼𝗿𝗺𝗮𝗹𝗲𝗻\, 𝘂𝗻𝗱 𝗱𝗮𝘀
  𝗜𝗿𝗿𝗮𝘁𝗶𝗼𝗻𝗮𝗹𝗲\, 𝗱𝗮𝘀
  𝗻𝗶𝗰𝗵𝘁 𝗱𝗮𝘀 𝗚𝗲𝗴𝗲𝗻𝘁𝗲𝗶𝗹
  𝗱𝗲𝘀\n𝗡𝗼𝗿𝗺𝗮𝗹𝗲𝗻 𝗶𝘀𝘁\,
  𝘀𝗼𝗻𝗱𝗲𝗿𝗻 𝗮𝘂𝘀 𝗱𝗶𝗲𝘀𝗲𝗺
  𝗲𝗿𝘄ä𝗰𝗵𝘀𝘁. 𝗘𝘀 𝘄𝗶𝗿𝗱 𝘀𝗼
  𝘄𝗶𝘁𝘇𝗶𝗴\, 𝘄𝗶𝗲 𝗔𝗱𝗼𝗿𝗻𝗼𝘀
  𝗦𝘁𝗮𝗵𝗹𝗯ä𝗱𝗲𝗿\n𝗹𝘂𝘀𝘁𝗶𝗴
  𝘀𝗶𝗻𝗱.
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